Auch im Dienst der Versorgungssicherheit
Europa ist mit einem dichten Netz von Höchstspannungsleitungen überzogen, den Stromautobahnen. In der Mitte liegt die Schweiz. Gebaut wurde das Höchstspannungsnetz im Wesentlichen für den Energieaustausch im Fall von Kraftwerksausfällen und Produktionsengpässen. Die Schweiz hat in Europa dank ihrer geografischen Lage und dank ihrer sekundengenau verfügbaren Wasserkraftressourcen den Ruf einer «Stromdrehscheibe».
Der Stromaustausch zwischen den Stromversorgern und über die Landesgrenzen hinweg ist so alt wie die elektrische Versorgung selbst. Davon zu unterscheiden ist der Stromhandel, der an den europäischen Strombörsen abgewickelt wird. Dieser Handel findet teilweise über die Höchstspannungsnetze statt. Die Abwicklung der internationalen Stromhandelsgeschäfte macht es aber immer schwieriger, länderübergreifend sehr langfristige Stromlieferverträge abzuschliessen. Für die Schweiz bedeutet dies, dass die langfristigen Lieferverträge mit Frankreich, die um das Jahr 2020 auszulaufen beginnen, nicht mehr in gleicher Weise erneuert werden könnten.
Die intensive Handelstätigkeit seit der Marktliberalisierung ist einer der Hauptgründe, dass die Schweiz im Vergleich zu Europa wettbewerbsfähige Strompreise bieten kann. Stromaustausch und Stromhandel tragen zum Ausgleich der Elektrizitätskapazitäten in Europa und damit zur Versorgungssicherheit bei. Durch Stromimport und -export helfen die Schweizer Stromversorger Ungleichgewichte in der Elektrizitätserzeugung zu beheben. Die Schweizer Pumpspeicherkraftwerke spielen dabei eine Schlüsselrolle. Denn in Europa dominieren neben Gas- und Kernkraftwerken grosse, vergleichsweise träge Braun- und Steinkohlekraftwerke. Diese sind auf schnell verfügbare Energiequellen wie Wasserkraft angewiesen. Denn nur Wasserkraft kann die minütlich schwankende Nachfrage im grossen Stil und punktgenau abdecken und so das Höchstspannungsnetz stabil halten. Nur wenn dies gewährleistet ist, bleiben in Europa die Lichter an.
Der physische Stromaustausch stösst heute jedoch vermehrt an Grenzen, da die Transportleitungen des Höchstspannungsnetzes immer öfter überlastet sind und der Stromimport einer Vielzahl von Einschränkungen unterliegt. Dies steht einer auf Sicherheit ausgerichteten Versorgungsstrategie im Wege. Aus diesem Grund ist es für die Schweiz keine Option, der sich abzeichnenden Stromknappheit mit verstärktem Stromimport zu begegnen. Versorgungssicherheit und Stromhandel benötigen ausreichende Kraftwerksleistungen im Inland.