Viel Potenzial, aber hohe Hürden

Eine Energieform wird erneuerbar genannt, wenn sich die Ressourcen für ihre Bereitstellung kurzfristig erneuern. Geht es um den Anteil erneuerbarer Energie in der Stromproduktion, belegt die Schweiz einen Spitzenplatz in Europa: Rund 55 Prozent der heimischen Stromproduktion ist Wasserkraft aus rund 500 Wasserkraftzentralen mit rund 160 Speicherseen und rund 1000 kleineren Wasserkraftwerken.

Wind, Biomasse, Sonne: zehnmal mehr Strom in Zukunft

Weitere erneuerbare Energien sind Strom aus Wind, Biomasse und Sonne, aber auch Abwasser und teilweise aus der Kehrichtverbrennung. Der Anteil dieser sogenannt neuen erneuerbaren Energien am Strommix macht heute allerdings nur 2 Prozent (1,3 Terrawattstunden) der Landeserzeugung aus. Den grössten Beitrag davon leisten Kehrichtverbrennungs- und Abwasserreinigungsanlagen. Windenergie kam 2010 auf einen Anteil von 0,06 Prozent an der Landeserzeugung, Fotovoltaik auf 0,13 Prozent und Biomasse auf 0,3 Prozent.

Langfristig könnten die weiteren erneuerbaren Energien je nach Subventionierung einen bedeutenderen Beitrag zur Stromversorgung leisten. Bis ins Jahr 2050 könnte er bei rund 13 TWh pro Jahr liegen, also zehn Mal höher als heute. Unter günstigen gesetzlichen Rahmenbedingungen könnten bis ins Jahr 2020 2,8 TWh und bis 2030 5,8 TWh Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung stehen, wenn die Grosswasserkraft nicht berücksichtigt wird.

Dennoch werden diese Strommengen alleine vermutlich nicht ausreichen, um die Kapazitätsengpässe ab 2020 zu decken. Denn nach der sukzessiven Ausserbetriebnahme der Schweizerischen Kernkraftwerke müssen bis 2044 rund 26 TWh Strom aus Kernenergie ersetzt werden.

Nur mit idealen Rahmenbedingungen umsetzbar

Voraussetzung für die verstärkte Nutzung der erneuerbaren Energien sind die weitere technologische Entwicklung sowie optimale wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, zum Beispiel in Form von einfachen und straffen Bewilligungsverfahren. Letztere sind heute nicht gegeben, was dringend geändert werden sollte. Bei der Wasserkraft schränken strenge Gewässerschutzvorschriften mögliche Ausbauprojekte ein. Bei der Schweizer Stromerzeugung mit Sonnenenergie begrenzen die durch die geografische Lage vergleichsweise mässige Sonneneinstrahlung sowie (noch) nicht marktfähige Kosten die Stromproduktion. Die Windenergie hingegen stösst auf Akzeptanzprobleme: Windkraftwerke bedeuten Eingriffe in Landschaftsbild und Ökosysteme und stossen auf Widerstand der lokalen Bevölkerung. Bei fast allen neuen erneuerbaren Energien ist also eine anspruchsvolle Interessensabwägung zwischen ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Kriterien notwendig.

Zudem muss die Unregelmässigkeit und schlechte Planbarkeit der Stromerzeugung mit Wind- oder Sonnenkraft abgefedert werden: Bei einem Anteil am Strommix von über 10 Prozent müssten Pumpspeicherkapazitäten erhöht und Transport- und Verteilnetze deutlich ausgebaut werden. Die dadurch entstehenden Kosten gehören ebenfalls in die Überlegungen mit einbezogen.