Wasserkraft
Die Wasserkraft ist der wichtigste Energieträger zur Stromproduktion in der Schweiz. In einem Durchschnittsjahr stammen 55 Prozent des hierzulande erzeugten Stroms aus den rund 1500 Wasserkraftwerken. Zu unterscheiden ist zwischen Laufwasserkraftwerken an Flüssen und Bächen und den meist in den Alpen gelegenen Speicherkraftwerken.
Laufwasserkraftwerke nutzen das zufliessende Wasser unmittelbar und kontinuierlich und produzieren somit dauernd, allerdings mit starken saisonalen Schwankungen. Speicherkraftwerke andererseits können ihre Produktion dem tagesaktuellen Bedarf anpassen und damit wertvolle Spitzenenergie erzeugen. Ein Teil der Speicherkraftwerke ist als Pumpspeicherkraftwerk gebaut. Sie können Wasser aus einem tiefer gelegenen in einen höheren See pumpen und zu einem späteren Zeitpunkt daraus wieder Strom produzieren. Bei diesem Vorgang entsteht zwar ein Energieverlust von rund 25 Prozent, dafür können grosse Strommengen zeitlich verschoben werden. Diese Möglichkeit wird in der Zukunft wesentlich wichtiger werden, weil mehr Strom aus unregelmässiger Produktion stammen wird.
Strommix-Anteil 2010: 55%
Bandenergie (Laufwasserkraftwerke), Spitzenenergie (Speicherkraftwerke) und Batterie-/Stromspeicherfunktion (Pumpspeicherkraftwerke)
Die Möglichkeiten zum Bau von Grosswasserkraftwerken an neuen Standorten sind unter den gegebenen Landschafts- und Gewässerschutzbestimmungen praktisch ausgeschöpft. Das langfristige Ausbaupotenzial der Wasserkraft (Erneuerung und Ausbau bestehender Anlagen sowie gewisse neue Kleinwasserkraftwerke) wird je nach Abstrichen bei den vielfältigen Schutzanliegen auf maximal 4000–5000 GWh geschätzt. Allerdings dürfte der Klimawandel die Stromproduktion in Zukunft wieder senken. In welchem Ausmass, ist heute noch schwierig abzuschätzen. Mit einer Produktionszunahme kann heute jedenfalls nicht sicher gerechnet werden.
Die Umweltbilanz von Wasserkraftwerken ist insgesamt positiv. Pro erzeugter Kilowattstunde ist die «graue Energie» für Bau und Betrieb extrem tief, nicht zuletzt aufgrund der sehr langen Lebensdauer der Anlagen. Die CO2-Bilanz ist hervorragend, und es entstehen kaum andere schädlichen Emissionen. Allerdings greift jedes Wasserkraftwerk in den lokalen Wasserhaushalt ein und beeinträchtigt die umgebende Landschaft und Natur, beispielsweise den Fischbestand. Mit einer Erhöhung der Restwassermenge und Ausgleichsbecken, welche die Wasserrückgabe verstetigen, müssen diese Effekte reduziert werden.
- Keine CO2-Emissionen im Betrieb, verhältnismässig geringe Emissionen beim Bau
- Ausgereifte Technologie, sehr lange Lebensdauer
- Liefert Band- und Spitzenenergie
- Wertvolle, noch ausbaubare «Batteriefunktion» der Pumpspeicherkraftwerke als Ergänzung zu unregelmässig anfallenden erneuerbaren Energien
- Eingriff in Landschaft, natürlichen Wasserhaushalt und Fischbestand
- Realisierbares Potenzial praktisch ausgeschöpft
- Jahreszeitliche Schwankungen (im Winter tiefere Stromproduktion)
- Keine Standardisierung im Kraftwerksbau möglich, deshalb hohe Investitionskosten