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Grosse Kraftwerke für die Versorgungssicherheit
Ohne die Energie aus in- und ausländischen Grosskraftwerken ist eine Vollversorgung der Schweiz mit Strom undenkbar. Grosskraftwerke sind tragende Pfeiler in der Stromversorgung von heute. Deshalb basiert die aktuelle Vier-Säulen-Strategie des Bundesrats zur Energieversorgung neben Energieeffizienz, erneuerbaren Energien und Energieaussenpolitik auch auf Grosskraftwerken. Zu den Grosskraftwerken zählen Kernkraft-, Wasserkraft-, Gas- und Kohlekraftwerke. Neben der Wasserkraft spielen in der inländischen Stromproduktion die Kernkraftwerke eine wichtige Rolle.
In der Schweiz speisen fünf Kernkraftwerke und gegen 500 Grosswasserkraftwerke Strom ins Netz, damit er uns jederzeit zur Verfügung steht. Zusätzlich profitiert unser Land von langfristigen Beteiligungsverträgen mit französischen Kernkraftwerken. Denn vor allem im Winter deckt die Schweizer Stromproduktion den Bedarf nicht jederzeit.
In der Schweiz werden die erneuerbaren Energien ausgebaut, und die Energieeffizienz wird stetig gesteigert. Dennoch: Ab dem Winterhalbjahr 2018 erwartet der Bundesrat eine Stromknappheit. Denn um das Jahr 2020 beginnen die langfristigen Stromlieferverträge mit Frankreich stufenweise auszulaufen. Gleichzeitig ist das Ende der Betriebsdauer der Kernkraftwerke Beznau I und II sowie Mühleberg absehbar. Deswegen muss die Schweiz ihren Kraftwerkspark optimieren. Zusätzlich wird der Bau von zwei neuen Kernkraftwerken ins Auge gefasst. Als Übergangslösung, bis diese ihren Betrieb aufnehmen könnten, steht ein Gaskombikraftwerk zur Diskussion. Gas zur Stromproduktion ist nicht unumstritten, da bei der Verbrennung des Erdgases CO2-Emissionen wie in Gasheizungen entstehen. Pluspunkte sind demgegenüber die hohe Energieeffizienz und grosse Flexibilität von Gaskombikraftwerken sowie die Tatsache, dass sie innert weniger Jahre gebaut und in Betrieb genommen werden können. Dennoch: Kernenergie ist zusammen mit Wasserkraft die einzige Grosstechnologie, bei der unser Strom nahezu CO2-frei produziert wird.
Für die zukünftige Stromproduktion in der Schweiz gilt es, den richtigen Strommix zu wählen. Jede Technologie hat ihre Vor- und Nachteile. Wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Aspekte müssen miteinander abgewogen werden. Am sinnvollsten ist es für die Schweiz deshalb, eine Sowohl-als-auch-Strategie zu verfolgen: sowohl Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien als auch Inbetriebnahme neuer Grosskraftwerke.
Für jedes Bedürfnis das richtige Kraftwerk
Kraftwerke können nach unterschiedlichen Kriterien gegliedert werden. Ein wichtiges Kriterium ist die Grösse oder Leistungsfähigkeit. Weit verbreitet ist dabei die Einteilung nach Nettoleistung, das heisst, wie viel Energie ein Kraftwerk in einer festgesetzten Zeitspanne erzeugen kann abzüglich der Energie für den Eigengebrauch. So gibt es kleinste Kraftwerke wie etwa Solarpanels auf Einfamilienhäusern mit einer Leistung von wenigen Kilowatt. Weiterhin gibt es Kraftwerksanlagen, die Millionen Menschen mit Strom versorgen können. Zu ihnen zählen etwa die grossen Kernkraftwerke in der Schweiz, wie Leibstadt und Gösgen, die je knapp eine Million Kilowatt (1000 Megawatt) Leistung aufbringen. Unter die Kategorie Grosskraftwerke fallen auch Gaskombikraftwerke und Kohlekraftwerke, die es allerdings bisher in der Schweiz nicht gibt. Desgleichen zählen Wasserkraftwerke dazu. Im Jahr 2007 erzeugten alle fünf Schweizer Kernkraftwerke zusammen 26,3 Milliarden kWh.
Neben dem Grössenunterschied werden die Kraftwerke nach ihrem Einsatzzweck in Grundlast-, Mittellast- und Spitzenlastkraftwerke eingeteilt. Grundlastkraftwerke liefern die sogenannte Bandenergie – jene Menge an Strom, die zu jeder Tageszeit im Netz vorhanden sein muss. Typische Grundlastkraftwerke sind grosse Laufwasser-, Kern- und (im Ausland) Kohlekraftwerke. Mittellastkraftwerke decken die zusätzlich benötigte Strommenge ab, wenn die meisten Geräte und Maschinen in Betrieb sind, zum Beispiel während der üblichen Arbeitszeiten. Zur Abdeckung der Mittellast eignen sich Hydrospeicherkraftwerke oder auch Gaskombikraftwerke. Spitzenlastkraftwerke liefern Strom, wenn zu bestimmten Tageszeiten der Energiekonsum stark ansteigt – zum Beispiel kurz vor Mittag, wenn in der ganzen Schweiz gleichzeitig die Elektroherde eingeschaltet werden. Für diese Bedarfsspitzen werden hochflexible Pumpspeicher- oder Gaskombikraftwerke eingesetzt.
Jeder Kraftwerkstyp besitzt seine spezifischen Möglichkeiten und Eigenschaften, die ihn für den Einsatz zur Grundlast-, Mittellast- oder Spitzenlastdeckung prädestinieren. Die Energieversorgungsunternehmen müssen ihren Kraftwerkspark so ausrichten, dass das Zusammenspiel den wechselnden Bedarf abdeckt und zu jeder Zeit die richtige Strommenge ins Netz gespeist werden kann.
Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenspiel den erneuerbaren Energien zu: Wasserkraft und Biogas liefern, ähnlich wie Kern-, Gas- oder Kohlekraftwerke, konstante Grundlast. Solar- und Windenergie dagegen sind nicht steuerbar. Wie viel Strom eine Solar- oder Windkraftanlage ins Netz liefern kann, hängt vom Wetter ab und ist daher zeitlich nicht vorhersehbar. Dies erschwert zwar eine planbare, dem Bedarf entsprechende Versorgung der Stromnetze, aber die Schweizer Stromversorger unterstützen die Förderung dieser neuen erneuerbaren Energien. Schliesslich tragen diese zu einem breit abgestützten Schweizer Strommix bei.