2007 trug die Windenergie 0,025 Prozent zur Schweizer Stromproduktion bei. Nun sind zahlreiche neue Windkraftwerke geplant. Bild: Juvent

Ausbaufähige Windenergie

Die Windenergie wächst rasant dank gezielter Fördermassnahmen in zahlreichen Ländern. Anders als in den europäischen «Windländern» Deutschland und Spanien sind geeignete Standorte in der kleinräumigen Schweiz allerdings nur beschränkt gegeben. Für einen wirtschaftlichen Betrieb von Windkraftwerken sind zwei Voraussetzungen notwendig: geeignete Flächen und vor allem durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von über 5 Metern pro Sekunde. Diese finden sich hierzulande vor allem auf den Jurahöhen, in den Alpen sowie teilweise im Mittelland. Auf den Jurahöhen werden durchschnittliche Windgeschwindigkeiten von 6,5 Metern pro Sekunde gemessen – an den Küsten Nordeuropas sind es 8 bis 10 Meter pro Sekunde. Obwohl dort die Windgeschwindigkeiten «nur» 30 bis 70% höher sind als im Jura, ist die Stromausbeute um ein Mehrfaches grösser und damit viel wirtschaftlicher. Dies hat damit zu tun, dass die Windkraft in einem kubischen Verhältnis zur Windgeschwindigkeit steht: Bei doppelter Windgeschwindigkeit verachtfacht sich die Stromproduktion.

In der Schweiz gibt es gegenwärtig über 30 Windkraftwerke mit einer installierten Gesamtleistung von rund 14 Megawatt. Sie produzieren zusammen Strom für 5700 Haushalte pro Jahr oder 0,025% der gesamten Schweizer Stromversorgung. Eine einzelne neue Windturbine mit 2 Megawatt Leistung kann jährlich bis zu 1300 Haushalte mit Strom versorgen – dies zeigt das Beispiel des Windkraftwerks Collonges VS, das seit 2005 in Betrieb ist.

Suisse Eole, die Vereinigung zur Förderung der Windenergie in der Schweiz, will in den nächsten Jahren 5 bis 10 Windparks realisieren, die gemeinsam 50 bis 100 GWh Strom produzieren. Das entspricht dem Verbrauch von 15 000 bis 30 000 Haushalten. Bis 2030 planen die Schweizer Energieversorgungsunternehmen laut einer VSE-Studie einen Zubau von total 800 GWh pro Jahr. Zum Vergleich: Das Kernkraftwerk Mühleberg, dessen Betriebsende in etwa einem Jahrzehnt bevorsteht, produziert jährlich 2900 GWh Strom. Um es vollständig mit Windkraft zu ersetzen, müssten insgesamt etwa 1300 neue Windgeneratoren gebaut werden.

Obschon die Windenergie ökologisch und immer stärker auch ökonomisch überzeugt, wird die Planung von Windparks oft durch Einsprachen und Rekurse von Einheimischen oder Interessenverbänden verzögert. Aus diesem Grund haben das Bundesamt für Energie (BFE), das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) das Konzept «Windenergie Schweiz» erarbeitet. Windenergieanlagen sollen demnach möglichst an den besten Standorten des Landes konzentriert werden. Kriterien dafür sind etwa das Windaufkommen, die Erschliessung, der Siedlungsabstand sowie die Verträglichkeit mit Natur und Landschaft.