In der heissen Erdmasse unter unseren Füssen schlummert ein erhebliches Energiepotenzial. In der Schweiz sind erste Pilotprojekte geplant, um diese Kraftquelle zu nutzen.

Die Erde als Heizung

Nahezu 99% der Erdmasse sind heisser als 1000 °C. Im Grunde schlummert unter unseren Füssen also ein erhebliches Potenzial für unsere Energieversorgung. Gemäss Bundesamt für Energie könnte die Tiefengeothermie theoretisch 3 bis 5% des Schweizer Strombedarfs decken. Ihr grosser Vorteil: Geothermiekraftwerke würden wie Kernkraftwerke Bandenergie liefern. Derzeit gibt es allerdings noch zahlreiche technische Hürden und offene Fragen. So ist erstens unsicher, ob die Geothermie mit Bohrtiefen von 3000 bis 5000 Metern überhaupt genutzt werden kann. Zweitens stellt sich die Frage, ob sich damit Strom erzeugen lässt. Und schliesslich ist ungewiss, ob die Energie zu einem vernünftigen Preis genutzt werden kann. Die Investitionen sind in der Tat sehr hoch. Es ist technisch anspruchsvoll, tief in die heisse Erdkruste vorzudringen. Nur an wenigen Orten ist dies bisher erprobt worden. In Basel musste ein Pilotprojekt wegen Erderschütterungen Ende 2006 gestoppt werden. Nun wird an anderen Standorten, etwa in St. Gallen oder Zürich, eine schonendere Methode erprobt, die keine neuen Klüfte aufsprengt, sondern vorhandene wasserführende Zonen erschliesst.

Sehr erfolgreich und heute schon gang und gäbe ist dagegen die Geothermie mit geringer Bohrtiefe, wie sie die Erdsondenwärmepumpen nutzen. Dabei wird Erdwärme aus bis zu 300 Meter tiefen Bohrlöchern gewonnen. Die zum Heizen noch zu geringe Wärmeenergie wird in einer Pumpe verdichtet und dadurch auf Heizwärmeniveau erhöht. Diese Heizmethode nimmt in der Schweiz zu: Ende 2008 standen bereits über 140 000 Wärmepumpen in Betrieb. Dies entspricht rund 2,8 TWh Wärme. Auch Wärmepumpen brauchen Strom – allerdings lediglich als Betriebsenergie. Die Wärmepumpentechnik gilt als sehr effiziente und umweltfreundliche Heizmethode. Mit einer Einheit Strom können vier Einheiten Wärme produziert werden. Alle Wärmepumpen zusammen benötigen heute lediglich 1,56% des Stromverbrauchs der Schweiz.