Wasserkraft bildet – zusammen mit der Kernkraft – das Rückgrat der schweizerischen Energieversorgung. 500 Laufkraftwerke und 160 Speicherseen produzieren über die Hälfte des Schweizer Stroms. Bild: KWO, Foto: S. Wunderlin
54% erneuerbare Energien in der Schweiz
Die Schweiz belegt innerhalb Europas einen Spitzenplatz im Hinblick auf ihren Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion. Dies hat sie der Wasserkraft zu verdanken.
Strom aus Wasserkraft deckt 54% der einheimischen Produktion ab. Wasserkraft ist erneuerbar und einheimisch. Sie bildet – zusammen mit der Kernkraft – das Rückgrat der schweizerischen Energieversorgung. 500 Laufwasserkraftwerke und 160 Speicherseen versorgen die Schweiz mit Strom. Das grösste Inlandkraftwerk ist das Speicherkraftwerk Grande Dixence mit einem Fassungsvermögen von 400 Millionen Kubikmetern Wasser.
Neue Kleinwasserkraftwerke werden – wie Wind, Biomasse und Solarenergie – zu den neuen erneuerbaren Energien gezählt. Alle neuen Erneuerbaren zusammen steuern lediglich 2% zur Stromproduktion bei, wobei der Löwenanteil aus Kehrichtverbrennungs- und Abwasserreinigungsanlagen stammt. Wind, Biomasse und Sonne allein tragen heute nicht mehr als 0,26% zur Schweizer Stromproduktion bei.
Die Strategie des Bundesrats lautet, die neuen erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2035 so auszubauen, dass sie 5,4 TWh oder 7 bis 10% zur Stromproduktion des Landes beitragen. Ein ambitiöses Ziel, bedeutet es doch mindestens eine Verzehnfachung des heutigen Anteils. Mit vereinten Kräften ist der Ausbau aber erreichbar: Eine aktuelle Studie des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) zeigt, dass die angefragten Energieversorgungsunternehmen bis 2030 jährlich zusätzliche 5,15 TWh Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen wollen, was beinahe der Vorgabe des Bundes entspricht. Die geplanten Investitionen umfassen einen Ausbau der Kleinwasserkraft um 2,6 TWh, bei Biomasseanlagen sind zusätzliche 1,7 TWh geplant, bei der Windkraft 0,8 TWh. Kleinere Beiträge entfallen auf die Stromproduktion aus der Fotovoltaik sowie aus Kehrichtverbrennungs- und Kläranlagen.
Ob alle geplanten Projekte realisiert werden können, ist ungewiss. Lokaler Widerstand der Bevölkerung, Natur- und Landschaftsschutz, Probleme im Bewilligungsverfahren oder veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen – zum Beispiel der bereits ausgeschöpfte Budgetrahmen der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) – können unter Umständen zum Abbruch einiger Vorhaben führen. Sicher ist: Das weltweit starke Wachstum dieser Zukunftstechnologien ist zwar vielversprechend, doch ohne gesetzlich vorgeschriebene Förderung, wie sie im Rahmen der KEV geschieht, sind sie in der Schweiz noch nicht konkurrenzfähig.
Insgesamt können die neuen erneuerbaren Energien zwar einen Beitrag zur Deckung des Strombedarfs leisten, sie sind jedoch nicht allein in der Lage, die Kapazitätsengpässe zu beheben, die ab dem Winterhalbjahr 2018 erwartet werden.